Der Yosemite im Indian Summer-Kleid

Liebe Heimat,

nachdem sich bereits in der Vorrecherche gezeigt hat, dass im Herbst im Yosemite Nationalpark weder Reiten noch Raften möglich ist und wir ja Wandern als nicht meine größte Stärke identifiziert haben, haben wir unser ursprünglich geplantes Programm etwas komprimiert. So konnten wir die verbliebene Zeit dafür nutzen zahlreiche Bilder von Eichhörnchen zu machen (hierzu wird in Kürze eine eigene Bildergalerie erscheinen).

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Zwar hatte im Park selbst schon alles geschlossen vom Grillrestaurant (in dem wir eigentlich Mittagessen wollten) bis hin vom Nature Museum (das uns lediglich als Orientierungspunkte diente – aber es geht ums Prinzip), doch glücklicherweise wurde der Pass zur Sommmerroute einmal quer durch den Park kurz bevor wir dort ankamen wieder geöffnet! (Die Umfahrung wäre ein 10 Stunden Ritt geworden.)

Hier also ein kleiner Querschnitt aus dem Yosemite – ich sag es gleich vor ab die beeindruckende Mächtigkeit der Berge und das warme Herbstlicht, das uns den ganzen Tag über begleitete, konnte leider nicht wirklich auf den Bilder festgehalten werden. Aber wir haben es versucht:

 

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Nach unseren kleinen Foto-Tour wurden dann doch noch die Wanderstiefel ausgepackt. Vom Yosemite Valley aus begaben wir uns auf einen der wenigen Wegwegen, für die man keine extra Genehmigung ein halbes Jahr vorher beantragen muss, sondern einfach loswanden kann. Der Weg trägt den klangvollen Namen „Mist Trail“ und führte uns zu den Falls.

Vom Ehrgeiz gepackt und ja bereits vom Grand Canyon steiles nach oben wandern gewohnt, erklommen wir auch noch die letzten Stufen bis an die „Spitze“ des Wasserfalls.

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Die heißen Füße kühlten wir im glasklaren und eiskalten Gebirgsfluß und ließen und während einer Pause auf den Felsen die Sonne ins Gesicht scheinen.

Nach etlichen 1.000 Höhenmetern up & down und einer scheinbar nicht endenwollenden Kurvenralley, erreichten wir den Fuße des Parks und damit auch unser Tagesziel – Jamestown!

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Ich verbleibe mit bergbeeindruckten Grüßen

Roadtrip durch das Todestal

Liebe Heimat,

es heißt ja immer der Tod habe viele Gesichter – das Tal des Todes auch. Wir haben uns aufgemacht das Death Valley zu durchqueren und haben knapp 200 Fuß unter dem Meeresspiegel einige kleine Schätze entdeckt. Hier kurz ein allgemeiner Eindruck von der eintönigen Optik des weitläufigen Landes. Im Anschluss folgt eine kleine Dokumentation (überwiegende in Bildern) unseres Wüsten-Roadtrips bei 82 Grad Fahrenheiten. Das klingt jetzt im ersten Moment so heiß, wie man sich das Death Valley auch vorstellt, aber man beachte die Umrechnungsformel: °C = (°F – 32) : 1,8. Die direkte Sonneneinstrahlung und quasi Null-Schatten, machten das Ganze aber dann noch zu einer recht hitzigen Angelegenheit. Und wenn es den Amis mit einer Sache ernst ist, dann ist das Hitze.

 

Stopp 1: Zabriskie Point – Berge wie aus Mischbeton

 

Stop 2: Salzfeld – Weißer Boden soweit das Auge reicht

 

Stop 3: Mesquite Flat Dunes – die Wüste in der Wüste

 

Stop 4: Mosaik Canyon – feinster Mamor zum Klettern

 

Auf weitere Zwischenstopps wie etwa den Golden Canyon oder den Emigrant Canyon oder die Darwin Falls hatten wir verzichtet. Denn wir hatten wir für den Abend noch ein größeres Ziel. Auf 2.000 Meter Höhe hatten wir uns auf Google Maps in den Bergen des Sierra Parks Hot Springs erspäht. Kurzum: Ein Traum! Inmitten einer kargen Wiesenlandschaft plantschen wir mit Blick auf die Berge in knapp 35°C warmen bis heißen Wasser und ließen die Welt, Welt sein!

 

 

Ich verbleibe mit rund-um-zufriedenen Grüßen

It’s Vegas, baby!

Liebe Heimat,

klotzen statt kleckern – das war unser Motto für Las Vegas. Also rein ins 4-Sterne-Hotelchen und raus auf den berühmt-berüchtigten Strip im feinen Zwirn.

Eigentlich müsste der Bericht hier nun zu Ende sein, denn wie jeder weiß – was in Vegas passiert, bleibt in Vegas.
Aber einen kleinen Schwank möchte ich euch doch erzählen. Unser erstes Ziel war ein Abendessen im Mirage! Vorbei an Hotel-Brunnen so groß wie der Attinger Weiher, Amüsier-Tempel mit den Ausmaßen eines Einkaufszentrums und Leuchtreklamen mit dem Stromverbrauch einer Kleinstadt bahnten wir uns den Weg durch das mit Trinkpalmen bewaffnete Partyvolk. Bereits auf den ersten Metern wird klar – wir hätten uns schon im Hotelzimmer betrinken sollen.

Grölende Junggesellenabschiede in albernen Kostümen und viel zu viel Promille, Frauen, die sich bewusst dafür entschieden haben zu kleine, zu wenig oder gar keine Kleidung zu tragen, und zahlreiche Menschenfänger mit ihren vermeintlichen Sonderangebote stellen unsere Nerven auf die Probe. Und dem nicht genug – statt dem erhofften Buffet-Dinner in gediegner Gesellschaft erwartet uns im Mirage eine hochschockierende Essenz des Vegas-Gesockses. Von irgendeinem Dresscode keine Spur (und wir hatten uns extra in Hemd und Bluse durch die 30°C City gequält). Neben den blanken Busen- und Wampen-Blitzern, glitzer Presswurst-Outfits, Socken-Sandalen-Stylos und Vokuhilas war die unglaubliche Dichte an unglaubliche fetten Menschen, die alles in sich hineinstopften was ihnen auf den Teller kam, am verstörendsten. Mit uns hatten sich noch ein paar andere arme Seelen in den Fresstempel im Cafeteria-Style verlaufen. Zum Glück waren wir nur für den all-inclusive Alkohol da!

 

Angeschickert vom Gratis-Vino fielen nach unserem Mahl über die Einarmigen-Banditen her. Uns so viel sei gesagt: Sie tragen diesen Namen zu Recht. Getarnt mit bunten Blinkelichtern und putzigen Symbolen, entpuppten sie sich als wahre Geld-Vernichtungsmaschinen. Da lief es am Roulett-Tisch schon deutlich besser – zumal die Spieler obendrein auch noch den Alkohol umsonst bekommen 🙂 Da uns der Minimum-Einsatz beim Black Jack dann doch zu hoch war, begnügten wir uns mit ein Spiel auf 21 gegen den Computer am Automaten. Als das letzte (Klein-)Geld verspielt war, ging es zurück in das Kingsize-Bett und eine Vegas-Nacht neigte sich dem Ende zu.

Ich verbleibe mit eine paar-Dollar-ärmeren Grüßen

Heiß – hoch – Hoover

Liebe Heimat,

wir ziehen weiter und unsere Reise führt uns nach Nevada. Am Grenzübergang besuchen wir ein „Wunder moderner Ingenieursarbeit“. Inmitten der kargen Felsenwüste vor Las Vegas sorgt der Hoover Dam seit fast 100 Jahre für die Wasserregulierung in der gesamten Region. Beim Verlassen des Autowagens schlagen uns zum ersten Mal geballte 90 Grad Fahrenheit entgegen.

220 Meter hoch oder tief – je nach dem wie man es betrachtet – ist die Talsperre und über ihr thront ein Gebäude im „Art Deko“-Baustil. Meiner Meinung nach sieht der ganze Komplex aus wie ein klassisches Versteck für den Bösewicht bei James Bond.

 

Nach einem kurzen Abstecher in die nahegelegene Stadt Boulder für einen kleinen Mittagssnack, geht es weiter nach Las Vegas. Bis zum Check-In nutzen wir die Zeit höchst effektiv im klimatisierten Premium OUTLET.

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Sogar die vom Canyon noch etwas „angedreckten“ Sneakers wurden im Rahmen einer vergeblichen Verkaufsshow wieder blitzeblank geputzt.

Ich verbleibe mit wüstenheißen Grüßen

Canyon kann ich!

Liebe Heimat,

als buchstäblich erstes GROSSES Highlight geht es zum Grand Canyon. Seit 3:15 Uhr liege ich dank Jetleg wach im Bett und plane bereits akribisch jeden nächsten Schritt – also wie ich am besten von welcher Seite meines Rucksacks an welcher Klamotten komme. Denn wir lagern aktuell unsere Gepäckstücke im Kofferraum des Mietwagens. Sei es nun berechtigt oder nicht – wir wollen kein Risiko eingehen von dem nicht mehr ganz so neuen Teppich des Motels, sagen wir einmal, „Mitbringsel“ mit auf unsere Tour zu nehmen. 😀

Mit Frühstück im Gepäck ging es durch die zappendustere Landschaft mit dem Ziel gleichzeitig mit der Sonne am Grand Canyon anzukommen. Kurzum: Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach einer kurzen Sonnenaufgangswanderung entlang des Rim Trails gab’s die verdiente Stärkung mit einer Wahnsinnsaussicht. Es folgt eine kurze Bildergeschichte:

Zweiter Tagesprogrammpunkt – eine Wanderung in die Tiefen des Canyon. US-Schilder warnen davor bis zum Colorado River abzusteigen und am selben Tag wieder hochzuwandern – mögliche Folgen wären „illness or death“! Deutsche Reiseführer und Freunde empfehlen hingegen einfach früh genug loszugehen, dann sei das schon zu schaffen. In einem Punkt waren sich aber alle einige VIEL Wasser und „Salty Snacks“ (macht durchaus Sinn, wenn man bedenkt, dass es hier fast nur destilliertes Trinkwasser zu kaufen gibt, was unsereins ja eher als Bügelwasser oder Wischwasser bekannt ist – und so schmeckt es auch.)

 

Nach einigen Irrungen und Wirrungen, die zum Teil unserer mangelhaften Vorbereitungen, aber zum Großteil auch der sehr mangelhaften Verkehrsführung geschuldet waren, kamen wir erst um 9 Uhr am Wegeinstieg des Bright Angel Trails an und damit gut 2 bis 3 Stunden zu späten für eine Tageswanderung. Wir entschieden daher uns einfach mal nach Lust und Laune treiben zu lassen. Gut – diese war bei 50% der „Reisegruppe“ bereits am Parkplatz verflogen. Nichtsdestotrotz machen wir uns auf den Weg nach unten – stets begleitet von der beeindruckenden Canyon-Aussicht.


Die Landschaft um uns konnte man allerdings nur gefahrlos bestaunen, wenn man einen kurzen Halt machte, denn ein unbedachterer Schritt hätte gereicht und ein Sturz nach unten wäre vorprogrammiert gewesen. Demnach war der Blick meist auf die relativ eintönige Weggestaltung aus rotem Matsch, Steinen und den quergelegten Ästen als Stufenersatz gerichtet. Einzige Abwechslung waren die zahlreichen „Hellos“, „Good mornings“ und „How is it goings“, die uns von den anderen Touristen canyonauf- und -ab entgegenschallten. Persönliches Highlight: Das angestimmte „In München steht ein Hofbräuhaus“ eines Amis der Dank uns in 30-Jahre alter Nostalgie schwelgte. Bitte nicht falsch verstehen – für diejenigen unter uns die auch gerne stundenlang Serpentinen fahren, wird eine Wanderung in den Grand Canyon das Nonplusultra sein – für alle anderen nicht 🙂

Während wir also so dahinstapften, machte ich mir viele Gedanken über das Wandern an sich. Hierzu eine kleine Übersicht meiner Erkenntnisse:

Berg vs Canyon

#1 – Naiv tastet man sich Höhenmeter für Höhenmeter nach oben VS man weiß schon beim Abstieg, was später auf einen zukommt

#2 – Zuerst kommt die Anstrengung, dann das Auslaufen VS Nach unten hüpfen, dann mit müden Beinen nach oben schuften

#3 – Beim Gang nach oben kann der Blick schweifen VS erst beim Rückweg kann man die Landschaft genießen

Und das bringt mich auch schon zum letzten und WICHTIGSTEN Punkt:

#4 – Die Plagerei wird mit einem tollen Ausblick belohnt VS man hat die Belohnung schon, wenn man aus dem Auto aussteigt!

Aufgrund der oben aufgeführten Gründe hat es für uns nur bis zur Mittelstation gereicht und vermutlich hätten sich uns noch ganz andere Blicke geöffnet, wären wir noch weiter vorgedrungen, aber das werden wir wohl nie erfahren. Doch wir fanden es auch hier unten schon ganz nett. 😄

Fest steht: Kaum traten wir den Rückzug an verbesserte sich unsere Laune schlagartig 🙂 Nur wenn die Sonne wieder auf uns niederbrannte, gab es erneut körperliche Tiefpunkte. Dafür wurde jeder Schattenabschnitt gefeiert, als gäbe es kein morgen mehr.

Ich verbleibe mit wandermüden Grüßen

Vortexe soweit das Auge reicht

Liebe Heimat,

wir schreiben Tag 1 unseres Road-Trips im wunderbaren Westen der USA. Von Phoenix aus machen wir uns auf in Richtung Norden. Unser erster Zwischenstopp soll die magische Felsenstadt Sedona sein. Im steten Nieselregen durchstreifen wir Meile um Meile die eintönige Landschaft, die noch langweiliger zu sein scheint als Phoenix selbst.

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Erst die Abfahrt 298 bringt die Erlösung und führt uns ins Epizentrum der New-Age-Bewegung. Wir sind zwar nicht an den geomantischen Führungen und den elektromagnetische Energiefeldern interessiert und wollen uns auch keinen heilenden Kristallschmuck kaufen. Aber die roten Felsenformationen machen doch ordentlich Eindruck!


Sedona selbst ist die Essenz einer touristischen Hochburg. In der kleinen Fußgängerzone reihen sich Juwlery-Stores, Jeep-Touren, Kunst-Ateliers und natürlich die Panflöten-Läden der Einheimischen dicht aneinander. Allgemein wird die „Native Americans Handcraft“-Schiene sehr geschäftstüchtig gefahren – es gibt kein Aussichtspunkt ohne die weißen Verkaufs-Pavillions. Mit ein bisschen Hilfe vom allseits geschätzten lonley planet speisen wir fernab der Restaurants mit Blick-Schilder in der kleinen putzigen Imbiss-Bakery „Sedona Memories“ mit den wohl höchsten Sandwiches überhaupt.


Nach einer wunderbaren Fahrt durch die Berglandschaft erreichen wir unser erstes Etappenziel – Williams. Das Ausmaß an Klischeehaftigkeit ist kaum zu beschreiben. Abwechselnd drängen sich Countrybars, Boots- & Head-Stores, Rockerschuppen und diverse „Indianer“-Boutiquen dicht gedrängt an die historische Route 66! Wir „flüchten“ in das einzige gemütliche Café und verweilen dort erst einmal.

Auf dem Abendprogramm steht dann Power-Nap & Supermarket schließlich haben wir morgen einiges vor! Insgesamt kostet uns der Einkauf gängiger Snacks wie Baguette, Käse, Obst, Müsliriegel und Chips rund 44 Dollar! Dafür sind wir jetzt stolze Besitzer einer Price-Club Card und haben glatt beim ersten Einkauf 10% gespart…

Ich verbleibe mit gespannten Grüßen und freue mich auf den Grand Canyon

U S und A -here I come!

Liebe Heimat,

eine neue Fernreise steht bevor und ich melde mich aus der Flughafenhalle. Langsam füllen sich die Sitzplätze vorm Abflugsgate und das „Russischen-Roulette“ für Langstrecken-Flüge hat begonnen. Kritisch beäugen sich die Passagiere gegenseitig – wer wird wohl für die nächsten Stunden die Plätze in der direkten „Nachbarschaft“ belegen…. Ist es das plärrende Kind, dass bei allen Anwesenden mit jedem neuen Aufschrei ein nervöses Zucken auslöst. Ist es der 200 Kilo-Mann mit Bierfassbauch, der unter Garantie beide Armlehnen in Anspruch nehmen wird. Oder ist es der Kerl mit dem penetrantesten Tastenton, den die Welt je gehört hat…

In meinem Fall war es der russische Opa mit einem „ordentlichen“ Zug und einem leichten Hang zum Alkohol. Gleich zum Mittagessen genehmigte sich der rüstige Rentner im bequemen Jogger einen Becher Hochprozenziges aus der privaten Minibar in seiner Westentasche. In einen Satz kippte er sich die Menge, die in etwa einem 8-fachen entsprechen würde, hinter die Binde. Und weil’s so schön war, wurde das Prozedere zum Dessert gleich noch einmal wiederholt. Glücklicherweise schien der Alkohol vom Mittagsumtrunk auch noch zur Kaffeepause zu wirken, so dass dem netten Herren nicht aufgefallen ist, wie ich ihm beim Öffnen der Kaffeesahne viele kleine Spritzer auf die Weste katapultiert habe. Seine ZWEI Kaffee wurden quasi weggeext. Übrigens – nachdem dem der Vorrat aus der Westentasche aufgebraucht war, kam der in einer Tablettendose geschmuggelte flüssige „Stoff“ zum Einsatz. Ich denke es ist unnötig zu erwähnen, das der 0,2 Liter Rotwein zum Abendessen in gewohnter Manier in Rekordzeit konsumiert wurde. Bis auf die Fahne, die in unregelmäßigen Abständen herüberwehte, war es ein sehr angenehmer Flugnachbar.

Auch das sonstige Rahmenprogramm konnte sich durchaus sehen lassen. Eine große Auswahl an aktueller Filmware versüßten die Stunden und die fortwährenden Grüße aus der Bordküche ließen fast den Eindruck man solle gemästet werden:

#Mittagessen
Salat, Pasta, Brötchen mit Butter, Crackers mit Frischkäse und Apfelkuchen.

#Kaffeepause

#Zwischensnack 1
Icecream

#Zwischensnack 2
Brezeln

#Abendessen
Pizza und Brownie

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Angekommen in dem großen weiten Nichts, das Phoenix genannt wird, und von der Dame mit dem klangvollen Namen Istanbul mit dem letzten Equipment für den Mietwagen ausgestattet, ging es in die Unterkunft. Mein persönliches Tages-Highlight:

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Ja, das ist ein ECHTER Vogel!

Ich verbleibe mit 26-Stunden-ohne-Bett schläfrigen Grüßen

Einen Saunagang in Ehren, kann keiner verwehren!

Zu Gast in einem Wellnesshotel, das sehr abgeschieden und nur fast am Jadebusen liegt, habe ich gelernt… (es folgt eine Bildergeschichte)

…dass sich ein 10 Kilometer-Fußmarsch, der zu fast 50% geradlinig auf dem Radweg entlang einer Bundesstraße verläuft, sehr langwierig und frustrierend sein kann – vor allem wenn sich das Meer dann hinter dem Watt versteckt und der regennasse Strand nahtlos darin übergeht, sämtliche Strandkörbe bereits eingewintert sind und Nebel / Nieselregen die komplette Sicht trübt!

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…dass manche Situationen nur ein gutes Krabbenbrötchen retten kann!

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…dass man am nächsten Morgen am Frühstücksbuffet sehr wohl die Saunagänge der Vortag Revue passieren lässt (z.B. „Der alte Mann der kein Handtuch unterlegt“ oder „der Angeber, der 25 min in der 90 Grad Sauna aussitzt und damit anderen die begehrten Plätze in den unteren Reihen versperrt, welche sich deshalb wiederum in den oberen Rängen fast die Knie verbrennen“)

–> aus Gründen der Diskretion sind an dieser Stelle selbstverständlich keine Bilder zu sehen! (Ich bitte um Verständnis – es ist wirklich besser so!)

…dass es den drei heiligen Bs– Bett, Bademantel & Burger – zu huldigen gilt!

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…dass ein begehbarer Kleiderschrank mit automatischem Licht äußerst praktisch ist.

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…dass aber ein Doppelbett bestehend aus zwei Einzelbetten auf glattem Boden / Untergrund sehr unpraktisch ist!

…dass Kühe unfassbar laut Gras essen!

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…dass nur weil Siri das sagt eine Tür durch eine Schutzwand, welche mit einem gelben Blitz und den Worten „Achtung Lebensgefahr – Bahnbetrieb“ gekennzeichnet ist, nicht zwangsläufig auch durchschritten werden sollte  🙂

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…dass die sogenannte „Bumskopf-Semmel“ aka Schokokuss-Brötchen an jedes gut sortierte Frühstücksbuffet gehört!

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Moin, moin!

Liebe Heimat,

unsere Reise in den hohen Norden führte uns erst einmal zu den Fischköppen nach Hamburg. Für umgerechnet nen Appel und n’Ei brachte uns der damit äußerst kostengünstige ICE des Nächtens in die wunderbare Hansestadt an der Elbe. Günstig nahe der berüchtigten Reeperbahn gelegen, ähnelte das Hotel wie so vieles in Hamburg einem Schiff mit Bullauge, Kajüte & Co.

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Nach einer Mütze voll Schlaf machte wir uns mit Hunger und dem Wunsch in Wassernähe morgendlich zu speisen auf gen Hafen. Da außer dem „Eier Karl“ (der von uns liebevoll auch Eier Charlie genannt wurde) und dem Hard Rock Cafe nichts gastronomisches gefunden werden konnte, der Fischmarkt außer sonntags nur ein nach Pisse stinkender Stellplatz für Wohnmobile ist und auch ein Ausflug durch den „Alten Elbtunnel“ nicht den gewünschten Erfolg brachten, stiegen wir kurzer Hand gleich stilecht mit Backfisch und einem frisch Gezapften ein.

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Der anschließenden Fußbegehung des Zentrums (laut Aktivitätstracker haben wir immerhin rund 10,81 Kilometer zurückgelegt) folgte eine Schipperfahrt über die Binnen- und Außenalster. Der eher mäßig motivierte Kapitän und Reiseführer – welcher nach eigenen Angaben dazu auch noch mit einer schlimmen Erkältung zu kämpfen hatte – tat mit seinen Stimmungsschwankungen sowohl gemütstechnischer Art als auch in der Betonung seiner Ausführungen sein Übriges dazu um den besonderen Hamburger Flair zu vermitteln.

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Eine Runde Heißgetränke und einem erbitterten Kniffelmatch im Thämer’s später ging es mit dem festen Vorsatz nach einem kurzen Power-Nap den Kiez unsicher zu machen zurück ins Hotel. Der Ausflug wurde dann allerdings aufgrund der Annahme, dass montags wohl nicht der sprichwörtliche Teufel los sein wird, auf den nächsten Abend verschoben. In der Konsequenz dienten uns daher die von der Anreise noch übriggebliebenen Weingummis als ausgewogenes Abendmahl!

Dafür sehr zu empfehlen war aber das durch die morgendliche Internetrecherche entdeckte Kaffee Stark in der Nachbarschaft. Sehr köstlich, reichlich und geschmacklich mal was anderes auf dem Frühstücks-/Brunchtisch. Neben Currypaste, Erdnussbutter, Honig-Feigen-Senf & Co gilt es besonders den gräulich anmutenden Aufstrich hervorzuheben, der uns auf Nachfrage als veganer Aufstrich nach Art „Pfälzer Leberwurst“ vorgestellt wurde. Laut Koch freut sich ein Veganer wohl nicht unbedingt über den recht authentischen Leberwurst-Geschmack, aber er fände ihn legger 😉

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Frisch gestärkt mieteten wir uns auf einen sogenannten Hop-on-hop-off-Bus ein, um Hamburg noch einmal professionell begleitet zu erkunden. Zugegebenermaßen machten wir von dem hop-on-hop-off-Angebot eher spärlich Gebrauch und ließen uns vielmehr bequem durch die Straßen shutteln.

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Lediglich als wir am Ende an den Landungsbrücken ausstiegen hoppten wir von Fischbrötchen-Stand zu Fischbrötchen-Stand zurück zur finalen Fischbrötchen-Station beim bereits erwähnten Eier-Charlie. Persönlicher Tipp: Fischbude auf dem Parkplatz vor dem Alten Elbtunnel!

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Perfekt eingestimmt mit dem James-Bond-Klassiker „Der Morgen stirbt nie“ ging es dann abends passenderweise zur Einkehr in die polnische Gaststätte „Bei Teresa“. Es galt die von einer Vielzahl von Vorbesuchern angepriesenen Bratkartoffeln zu testen… Wie der Abend dann auf der Reeperbahn weiterging vermag kein Mensch zu sagen:

a) Im absoluten Kartoffeldelirium sind wir Bei Teresa versackt!
b) Nach einer durchzechten Nacht hängt nun ein Ehrenbild in „St. Paulis Eck“!
c) Eine anfliegende Erkältung trieb uns zurück in die Federn!
d) Das leichte Mädchen Helena erzählte uns ihre Lebensgeschichte, worauf ich erneut die EMMA Petition gegen Prostitution unterzeichnen wollte!

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…Und so war die Zeit in Hamburg auch schon wieder schneller rum als einer „Moin, moin!“ um acht Uhr abends sagen kann. Mit Astra-Bier, Käse, Brot & Mentos im Gepäck, zogen wir am nächsten Morgen aus um das Faulenzen zu lernen!

Ich verbleibe mit fischigen Grüßen

Hobbes 2.0

Schon beim Betreten des Büros schlägt mir der beißende Geruch der anderen Pisser entgegen. Ich kann sie allesamt nicht leiden, aber was macht das schon. „Mit gehangen, mit gefangen“ oder wie heißt es so schön? Zumindest auf eine ist Verlass. Beschwingten Schrittes kommt mir Sabine auf dem Flur entgegen. Hinter ihrem Kopf wedelt freudig der blonde Pferdeschwanz im Takt des Absatzklackens hin und her. Mit einem wissenden Lächeln hält sie mir meine erste Ration Kaffee unter die Nase. Das hilft.

Drei auf drei Meter und davor ein Schild mit meinem Namen. Eine Augenweide ist mein Büro wahrlich nicht. Der Teppich in Anthrazit ist an manchen Stellen schon stärker von der Sonne ausgeblichen als an anderen und hinten in der Ecke sind immer noch die Spuren eines „Kaffee-Unfalls“ von vor zwei Jahren zu sehen. Sämtliches Geschrubbte und Geputzte hat nichts geholfen, der Fleck hat sich tief hineingefressen. Aber besser als im Großraumbüro mit den anderen Zirkusäffchen in ihren Zwei-auf-zwei-Meter-Boxen zu sitzen. Die Nase am PC und trotz „paperless office“ kaum hinter ihren Papierstapeln zu sehen. Wobei es mit diesen neuen Glaswänden schon fraglich ist, wer hier wirklich der Affe ist. Zumindest riecht es bei mir immer leicht nach Zitrone, fast so als würden der Boden die eingerubbelten Reiniger von damals wie ein überdimensionaler Duftspender wieder langsam an seine Umgebung abgeben. Der PC ist noch an. Das spart schon einmal ein paar Minuten am Morgen. Ein kurzes Aufflimmern. 58 ungelesene Nachrichten. Auf dem Bildschirm sehe ich wie mein Spiegelbild die rechte Oberlippe nach oben zieht und mir die Zähne zeigt.

Pünktlich um 8:57 Uhr klingelt das Telefon. Völlig monoton und doch so unaufhörlich aufdringlich, dass es nicht zu ignorieren ist. Bluetooth sei Dank kann ich zumindest während der Gespräche im Büro hin- und hergehen. Beim Blick aus dem Fenster schneiden die vormals noch weißen, doch mit der Zeit schon leicht vergilbten Lamellen-Jalousie mit dem Flair einer Arztpraxis die Welt draußen in portionsgerechte Scheibchen. Heute ist es bewölkt und alles ist grau in grau. Bei schönem Wetter malen sie ein Wechselspiel aus Licht und Schatten auf den Boden. Dann kommt es mir vor, als würde ich in einem Käfig stehen, der hoch über den Dächer als neue Attraktion der Stadt hängt. Langsam macht sich der Kaffee bemerkbar. Zur Erleichterung richte ich den Strahl zielsicher auf die kleine Yucca-Palme in der Ecke. Schnell sickert der Urin ein bis nur noch ein dunkler, feuchter Fleck auf der Erde die Stelle des Eindringens markiert. Ich atme tief ein – ah das tut gut. Nach und nach breitet sich der Duft im ganzen Raum aus. Mein Büro. Meine Regeln.

Mit meinem nächsten Kaffee und dem aktuellen Report in der Hand kommt Rufus herein geschlichen. Wie jeden Morgen rieche ich die Bananenmilch in seinem Atem als er mir über meinen rechten Mundwinkel schleckt. Den Report legt er auf dem Schreibtisch ab, den Kaffee nehme ich ihm direkt aus der Hand. Zufrieden stelle ich fest, dass er endlich verstanden hat, wie ein guter Kaffee zu sein hat. Frisch gemahlen, kurz aufgebrüht, ohne Milch, dafür aber mit einem kleinen Teelöffel braunem Zucker. Die Kunst ist es, genau so lange zu rühren bis sich der Zucker restlos aufgelöst hat. Dann hat der Kaffee die richtige Trinktemperatur und Süße. „Na Rufus, du alter Speichellecker.“ In der Tür steht Marc – der Abteilungsleiter. Sofort wirft Rufus sich auf den Boden und rollt sich auf den Rücken, genau da, wo der Kaffee-Fleck ist. Dabei hängt ihm seine blau-grau schattierte Krawatte wie eine überlange Zunge über die Schulter. „Halb 2, Konfi 5.“ Ich mache mir gar nicht erst die Mühe zu antworten. Marc ist längst weg. Zurück bleibt ein Duftgemenge aus Birnenblättern, Minze, Zedernholz, einem Hauch Pinie und heute einem blumig-süßen Frauen-Parfüm. Das trägt normalerweise Jessy. Auf der Schreibtisch-Oberfläche erscheint die Hand von Rufus, der sich gerade wieder vom Boden hochhievt. Seine speckige Form lässt ihn weich und schwach wirken. Keuchend bleibt er zurück als ich mich auf den Weg mache.

12 Uhr. Fütterungszeit. Schon von weitem macht sich der Geruch von heißem Fritierfett, den Gasbrennern unter den Wärmebehältern und Rausgebackenem in den Gängen bemerkbar. Durch die große Glastür dringen Geschirrklappern und dumpfes Gemurmel. Für meinen Geschmack ist hier schon wieder viel zu viel los, aber konditioniert wie ein Pawlowscher Hund treibt es nun einmal alle zur gleichen Zeit in die Kantine. Zumindest lassen die vermehrten Vegetarier und Bewusst-Esser die Warteschlange bei den Fleischgerichten immer kürzer werden. Heute. Dienstag. Steak mit wahlweise Bratkartoffel, Pommes oder Reis 4,65 Euro. Beilagensalat 0,95 Euro. Mit vollgeladenem Tablett scanne ich die Tische. Im hinteren Bereich haben sich wie immer die Praktikanten zusammengerottet. Beim Fenster sitzt das Controlling gleich neben Marketing und HR. Ich habe keine Lust auf leeres Geschwafel und steuere einen freien Tisch nahe dem Mittelgang an. Gerade als ich zum Besteck greife, zieht sich der Stuhl neben mir zurück. Ich kenne das Gesicht nicht und es mir auch egal. Ein tiefes Knurren entfährt meiner Kehle – wie auf Kommando stellen sich meine Nacken- und Armhaare auf. „Hallo, ich bin Volker. Ich bin…“ Obwohl ich nur leicht zuschnappe, spüre ich wie sich meine Zähne in seinen weichen Nacken graben. Zuerst durch die ersten Hautschichten und dann tiefer bis ich eine Mischung aus billigem Eau-de-Toilette und Blut auf meiner Zunge schmecke. Fast so als würde ich ein Cent-Stück als Bonbon lutschen. Er macht einen erschrockenen Satz zurück und kippt dabei den Stuhl um. Rasselnd schlägt die stählernen Lehne auf dem Fliesenboden auf und trippelt einige Mal auf und nieder. Er steht da mit der Hand auf der Stelle, wo bis vor wenige Augenblicke meine Zähne noch ihre Spuren hinterlassen haben. Durch die Ritzen zwischen seinen Finger quillt langsam das Blut und rinnt in dünnen Bahnen über den Handrücken und den Unterarm entlang bis es unregelmäßig auf den Boden tropft. Langsam geht er rückwärts und verkriecht sich dann in Richtung Toiletten. Ein letzter kritischer Blick in die Runde. Keine weiteren Eindringlinge. Beim ersten Schnitt durch das Steak läuft unten der dunkelrote Saft aus Blut und Fett aus dem Fleisch. Genau wie ich es mag. Stück für Stück schlinge ich es hinunter. Auch das von Volker. Meinen leeren Teller stelle ich auf das Kantinen-Rückgabeband und schicke ihn auf eine Reise in die Industrie-Spülmaschine. Bevor ich wieder in mein Büro zurückgehe, gönne ich mir noch eine Tasse Kaffee. Noch vier Stunden bis zum Feierabend.