Canyon kann ich!

Liebe Heimat,

als buchstäblich erstes GROSSES Highlight geht es zum Grand Canyon. Seit 3:15 Uhr liege ich dank Jetleg wach im Bett und plane bereits akribisch jeden nächsten Schritt – also wie ich am besten von welcher Seite meines Rucksacks an welcher Klamotten komme. Denn wir lagern aktuell unsere Gepäckstücke im Kofferraum des Mietwagens. Sei es nun berechtigt oder nicht – wir wollen kein Risiko eingehen von dem nicht mehr ganz so neuen Teppich des Motels, sagen wir einmal, „Mitbringsel“ mit auf unsere Tour zu nehmen. 😀

Mit Frühstück im Gepäck ging es durch die zappendustere Landschaft mit dem Ziel gleichzeitig mit der Sonne am Grand Canyon anzukommen. Kurzum: Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach einer kurzen Sonnenaufgangswanderung entlang des Rim Trails gab’s die verdiente Stärkung mit einer Wahnsinnsaussicht. Es folgt eine kurze Bildergeschichte:

Zweiter Tagesprogrammpunkt – eine Wanderung in die Tiefen des Canyon. US-Schilder warnen davor bis zum Colorado River abzusteigen und am selben Tag wieder hochzuwandern – mögliche Folgen wären „illness or death“! Deutsche Reiseführer und Freunde empfehlen hingegen einfach früh genug loszugehen, dann sei das schon zu schaffen. In einem Punkt waren sich aber alle einige VIEL Wasser und „Salty Snacks“ (macht durchaus Sinn, wenn man bedenkt, dass es hier fast nur destilliertes Trinkwasser zu kaufen gibt, was unsereins ja eher als Bügelwasser oder Wischwasser bekannt ist – und so schmeckt es auch.)

 

Nach einigen Irrungen und Wirrungen, die zum Teil unserer mangelhaften Vorbereitungen, aber zum Großteil auch der sehr mangelhaften Verkehrsführung geschuldet waren, kamen wir erst um 9 Uhr am Wegeinstieg des Bright Angel Trails an und damit gut 2 bis 3 Stunden zu späten für eine Tageswanderung. Wir entschieden daher uns einfach mal nach Lust und Laune treiben zu lassen. Gut – diese war bei 50% der „Reisegruppe“ bereits am Parkplatz verflogen. Nichtsdestotrotz machen wir uns auf den Weg nach unten – stets begleitet von der beeindruckenden Canyon-Aussicht.


Die Landschaft um uns konnte man allerdings nur gefahrlos bestaunen, wenn man einen kurzen Halt machte, denn ein unbedachterer Schritt hätte gereicht und ein Sturz nach unten wäre vorprogrammiert gewesen. Demnach war der Blick meist auf die relativ eintönige Weggestaltung aus rotem Matsch, Steinen und den quergelegten Ästen als Stufenersatz gerichtet. Einzige Abwechslung waren die zahlreichen „Hellos“, „Good mornings“ und „How is it goings“, die uns von den anderen Touristen canyonauf- und -ab entgegenschallten. Persönliches Highlight: Das angestimmte „In München steht ein Hofbräuhaus“ eines Amis der Dank uns in 30-Jahre alter Nostalgie schwelgte. Bitte nicht falsch verstehen – für diejenigen unter uns die auch gerne stundenlang Serpentinen fahren, wird eine Wanderung in den Grand Canyon das Nonplusultra sein – für alle anderen nicht 🙂

Während wir also so dahinstapften, machte ich mir viele Gedanken über das Wandern an sich. Hierzu eine kleine Übersicht meiner Erkenntnisse:

Berg vs Canyon

#1 – Naiv tastet man sich Höhenmeter für Höhenmeter nach oben VS man weiß schon beim Abstieg, was später auf einen zukommt

#2 – Zuerst kommt die Anstrengung, dann das Auslaufen VS Nach unten hüpfen, dann mit müden Beinen nach oben schuften

#3 – Beim Gang nach oben kann der Blick schweifen VS erst beim Rückweg kann man die Landschaft genießen

Und das bringt mich auch schon zum letzten und WICHTIGSTEN Punkt:

#4 – Die Plagerei wird mit einem tollen Ausblick belohnt VS man hat die Belohnung schon, wenn man aus dem Auto aussteigt!

Aufgrund der oben aufgeführten Gründe hat es für uns nur bis zur Mittelstation gereicht und vermutlich hätten sich uns noch ganz andere Blicke geöffnet, wären wir noch weiter vorgedrungen, aber das werden wir wohl nie erfahren. Doch wir fanden es auch hier unten schon ganz nett. 😄

Fest steht: Kaum traten wir den Rückzug an verbesserte sich unsere Laune schlagartig 🙂 Nur wenn die Sonne wieder auf uns niederbrannte, gab es erneut körperliche Tiefpunkte. Dafür wurde jeder Schattenabschnitt gefeiert, als gäbe es kein morgen mehr.

Ich verbleibe mit wandermüden Grüßen

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