Derfs a bisserl mehra sa…

Liebe Heimat,

am frühen Morgen beobachteten wir von unserem Balkon aus (ich weiß nicht, ob ich schon erwähnt hatte, das er mit Meerblick war) wie bereits die Ersten vorm Frühstück einige Liegen mit ihren Handtüchern belegten. Da wir – abgesehen von einer Gruppe junger Österreicher, einer seltsamen Konstellation aus Briten und einer Multi-Kulti-Formation aus einer Französin und zwei Herren, die wir nicht so ganz einzuordnen wussten – die einzigen Nicht-Albaner im Hotel waren, kann es sich also nicht um ein rein deutsches Phänomen handeln.

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Beim Frühstück hieß die Devise dann wieder beobachten & lernen. Ausgestattet mit Saft, Milch und einem recht deftigen Mahl bestehend aus zwei fettig heraus-gebratenen Spiegeleiern, Fetakäse, Würstchen, Honig, Marmelade und einem Korb Weißbrot vermissten wir nur den Kaffee. Deshalb an dieser Stelle der Hinweis an alle zukünftigen Albanien-Reisenden: In Albanien bekommt man alles, man muss nur danach fragen. Nach einer kleinen Frühstücksgesellschaftsstudie taten wir es unseren Mitessern gleich und orderten ebenfalls speziell beim Kellner Espresso & Mineralwasser. Für eine später hinzugekommene Großfamilie gab es in puncto Sonderbestellungen quasi kein Halten mehr – vom Obstteller über Frischkäse und Cornflakes bis hin zu Cappuccino und Nutella erfüllten die Ober jeden Wunsch der Meute. Mit dem zusätzlich errungenen Wissen bestellten wir uns am nächsten Tag gleich zu Beginn Kaffee & Wasser und einen Teller mit Tomaten – natürlich wurde hier wieder maßlos auf albanischer Seite übertrieben und so erreichte uns ein Teller mit einem Gupf aus Tomaten, Gurken und Oliven, den wir aber genauso selbstverständlich ratzeputz aufaßen.

Aber eins nach dem anderen. Zurück zu Tag 1, der offiziell als Strandtag deklariert wurde. Somit war unser oberstes Ziel nichts zu tun außer faul zu sein und uns gelegentlich im kristallblauen Wasser abzukühlen. Diesen Plan ließen wir auch nicht von Juri auf der Nachbarliege durchkreuzen – einem schätzungsweise 3-Jährigen verzogenen Bub mit dem Organ eines Tubaspielers und der Frequenz einer Seemöwe. Schlichtweg nicht unser Problem – Sonnenverdeck runter und Urlaubsmodus on 🙂

Pünktlich zur albanischen Regenzeit brachte uns ein Kassensturz dann aber auch die Erkenntnis, dass wir zwar noch ausreichend Bargeld für eine Übernachtung hatten, aber nicht für zwei. (Wir waren irgendwie tatsächlich etwas überrascht, dass uns die 105 Euro vom Flughafen nicht den ganzen Urlaub reichen würden.) Also unterbrachen wir zur späten Mittagsstund das Sonnenbaden für einen monetären Beutezug.

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Nach einem recht langen Fußmarsch – der durch die begeistert, hupenden Autofahrer nicht unbedingt erfreulicher wurde, kamen wir im gelobten Raiffeisen-Land an. Zur Feier der wieder erlangten Liquidität gönnten wir uns einmal mehr ein vorzügliches Sandwich für quasi kein Geld.

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Als zusätzlichen Entertainment-Faktor wohnten wir dem Ende einer Familienfeier, die wohl im benachbarten Partyraum stattgefunden hat. Und wie wir aus unseren klugen Reiseführer erfahren haben nutzen Albaner jede noch so kleine Gelegenheit mit der Familie zu zelebrieren. So fiel nach und nach der besoffenen Rest im feinsten Zwirn aus der blickdichten Tür bis schlussendlich der Gastgeber mit dem Wechsel eines dicken Bündel Geldscheinen an unseren Sandwich-Bar-Besitzer einen Endpunkt setzte. Abgeleitet von einer äußerst repräsentativen Hochrechnung unsererseots gehen wir von einem umgerechneten Gegenwert von 80 Euro aus. Zusätzlich der herzlich gemeinten Umarmungen und Küsschen unter Männern – man versteht sich.

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Eingedeckt mit verschiedenen Sorten Bier für das abendlich geplante Tasting und einem Kilo Kirschen, das wir am Straßenrand erstanden hatten, ging es dann wieder zurück Richtung Hotel. Besonders auf den Kirschenkauf waren wir mächtig stolz. So herrschen doch im albanischen Marktbusiness andere Regeln und Gesetze bis hin zur eigenen Währung. Wenig verwirrend: Die Dandler nennen die Preise in der nicht mehr gültigen Währung von früher, die ein 10-faches der aktuellen Lek war / ist, verlangen aber natürlich den jetzt gültigen Währung. (Kurz ein Beispiel zur Veranschaulichung: 1 Kilo Kirschen – Dandler sagt: 2.000 ALTE LEK – Kirschen kosten: 200 LEK) Natürlich wussten wir dank unserer Reisebibel längst um diesen Umstand!

Da Blitz und Donner noch mindestens 5 Elefanten entfernt waren und es erst langsam anfing zu regen, setzten wir unseren Strandtag in völliger Einsamkeit fort – gut, abgesehen von der Familie, die zu viert das Maximal-Gewicht eines 12 Personenaufzugs erreichen würden und ihre Körper in der Brandung treiben ließen. In der Gunst der Stunde fassten wir den Mut und bestiegen den von uns benannten Teufelsfelsen, mit welchem wir seit unserer Ankunft liebäugelten und nun endlich wagten uns zu nähern.

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Euphorisiert vom Sprung in die Tiefe huschten wir noch tropfnass durch die Hotelflure in der Hoffnung unbemerkt in unser Zimmer zu gelangen – was angesichts der Pfützenspur zugegebenermaßen etwas naiv war. Hingegen unserer Erwartungen empfing uns dann leider auch kein wohl klimatisierter Raum, sonder vielmehr die Tatsache, dass die Klimaanlage den Geist aufgegeben hatte – und noch schlimmer der Kühlschrank die Biere nicht mehr kühlte. Eins und eins war schnell zusammengezählt: Es musste am Strom liegen! Die Erinnerung an den Sicherungskasten im Flur brachte auch eine baldige Lösung. Durch ein präzises Ausschlussverfahren der Fehlerquelle eruierten wir ganz nach dem Motto „Selbst ist die Frau“ das Problemkind und brachten im Handumdrehen Kühlschrank und Klima wieder zum brummen.

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Irgendwie immer noch satt vom Frühstück dienten uns die Krischen und ein Päckchen Cracker mit Tomatengeschmack als Abendessen, das wir im Sonnenuntergang auf unserem Balkon genossen. Im anschließenden Beertasting mit Partymusik setzte sich das Kastelberg sowohl im ersten Schluck und in der Geschmacksnote sowie auch in der der Süffigkeit und im Abgang gegen seine Konkurrenten durch. Wir gratulieren zum Sieg und bedanken uns für den schönen Abend!

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Ich verbleibe mit angedüdelten Grüßen

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