Hop on hop off – der Weg ist das Ziel!

Liebe Heimat,

ausgesetzt inmitten von Tiranas Zentrum galt es nun die im Reiseführer grob markierten Abfahrtspunkte nach dem richtigen Bus abzuklappern. Unser erster Versuch Nahe des Mutter-Teresa-Platzes (in Albanien ist quasi alles, aber wirklich alles, nach ihrer heiligen Nene benannt) war zwar nicht gleich ein Treffer – aber auf Umwegen. So organisierten die umstehenden Fahrer sofort einen englisch sprechenden Kollegen um uns adäquat Auskunft geben zu können. Nachdem sich der Sammelplatz für die Busse gen Süden an der Kreuzung „Dezember 21“ und damit wieder in einer ganz anderen Himmelsrichtung befand, beschlossen wir spontan die Vermittlungsdienste noch einmal für die Beschaffung eines Taxis zu nutzen.

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Perfekt getimt zur Abfahrtszeit – denn obwohl die Überland-Busfahrten mit Hilfe von einzelnen Privat-Anbietern abgedeckt wird – werden die „Fahrpläne“ bzw. vielmehr die Fahrrhythmen und -turnusse penibel genau eingehalten. Wie Marktschreier preisen die Transporteure ihre Routen und Gefährte an und versuchen möglichst viele Passagiere ins Wageninnere zu locken. Als Ergebnis einer ausgiebigen Musterung der Busse entschieden wir uns schließlich für einen recht komfortablen Reisebus nach Vlora. Nach dem wir mit Händen und Füßen zu Verstehen geben hatten, dass wir uns gegenüber noch mit Proviant versorgen, ging es mit dem billigsten, guten Sandwich, das wir je gekauft haben, im Gepäck auf große Menschen-Einsammeltour. Denn zwischen Start- und Endpunkt der Fahrt war die gesamte Strecke sozusagen eine einzige lange Haltestelle für Aus- und Zustiege. Lediglich ein kurzes auf sich aufmerksam Machen wie etwa durch ein Handheben oder sich auf Höhe der Hintertür in den Gang Stellen reichte und der Reisebegleiter stelle sicher, dass die nächste auch nur annähernde Möglichkeit zum Halten genutzt wurde. Auch der Zahlungsvorgang mit einem Bündel Scheinen in der Hand und ohne Ticket wurde recht unbürokratisch abgehandelt. Aber bei einem Preis von umgerechnet 3,50 Euro pro Person wollen wir hier einmal nicht so sein.

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In Vlora angekommen, versuchten wir uns im spärlichen Schatten eines Straßenschildes zu orientieren. Allerdings befand sich die Endstation leider nicht auf der zugegebenermaßen recht minimalistischen Karten aus dem Reiseführer. So verbrachten wir die erste Zeit nach unserer Ankunft damit das Meer zu finden. In die Irre geführt von Ständen mit Badeutensilien und dem vermeintlich zwischen den Häuserreihen hervorblitzende Horizont war es zwar nicht der direkte Weg, aber die Freude über das Erreichen des Ziels dafür umso größer. IMG_6217 IMG_6221

Mit Lust auf eine kleine Erfrischung schafften wir es in einem Café am Hafen doch noch zwei Cola zu bestellen, nachdem die absoltue Ratlosigkeit des Kellners auf die Frage nach dem „menue“ uns bereits an unserem und seinem englisch hat zweifeln lassen. Erst der uns schon sehr liebgewonnenen Reiseführer erklärte uns dann, dass es in Albanien häufig keine Speisekarten gibt, sondern man entweder Stammkunde ist und weiß was es gibt oder aufs Geratewohl bestellt wird. Vom Reiseführer erfuhren wir auch, dass die schönsten Strände und Buchten südlich die Küste hinunter lagen.

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Da es zwar Linienbushaltestellen gab, die aber statt mit Fahrplänen nur ausgiebig mit Werbebanner zugeklebt waren, versuchten wir unser Glück allein. Was mit Blick auf den von Baggern und Lastwägen übersiedelte Stadtstrand aller Wahrscheinlichkeit nach ein langer Fußmarsch werden würde. Erfreuliche Abwechslungen am Wegesrand (siehe oben) und die stetige Verbesserung der Strandsituation lies uns Kurve um Kurve nehmen bis wir schlussendlich zu einem Hotel mit dem klangvollen Namen Nimfa kamen. Nach einem kurzen Plausch an der Rezeption waren wir uns ziemlich sicher, dass wir nun ein Doppelzimmer mit Meerblick inklusive Frühstück für 40 Euro pro Nacht gebucht hatten – mit der Option am nächsten Tag um eine Nacht zu verlängern. Alles „no problem“.  

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Nach einer Erfrischung im kühlen, klaren Nass und ein paar Sonneneinheiten am hoteleigenen Strand, machte sich dann doch bemerkbar, dass wir außer dem morgentlichen Sandwich und einem 1-Euro-Snack mit einer seltsamen roten Sauce für unterwegs auf die Hand den ganzen Tag nicht gegessen hatten. Also gingen wir auf Futtersuche. Fast schon wie die Einheimischen erspähten wir mit unserem neugewonnen Kennerblick immer sofort die am besten zu begehende Straßenseite, denn Bordsteine hatten hier einen hohen Seltenheitswert. Wie zwei aufgeschreckte Kaninchen huschten wir auf die jeweils sichere Seite in den „Save-Heaven“. Der Zick-Zack-Kurs schien auch einem dahergelaufenen Hund großen Spaß zu machen, da er uns auf Schritt und Tritt folgte. (Wir haben wohl eine gewisse Anziehungskraft was herrenlose Vierbeiner betrifft http://on.fb.me/1JB581k )

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Weil wir wenig Lust hatten uns bei einem Aperol-Spritz das Champions League-Finale anzusehen, suchten wir aus der „Schick-Micki-Bar“ mit den weißen Lounge-Möbeln schnell wieder das Weite und landeten dann zufällig in einem familiengeführten Ess-Etablisement. Eigentlich wollten wir nur eine frische Fanta to-go kaufen, doch das vom Sohn des Hauses angepriesene „grilled vegetable“ verführte uns zum Bleiben.

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Selbstredend gab es auch hier keine Speisekarte und so kam es, dass wir aus Hunger und Gier zu allem was der Bub uns vorgeschlagen hat Ja und Amen sagten. Also trug er auf und trug auf und trug auf und wir aßen und aßen und aßen bis alles aufgegessen und die Sonne gänzlich untergegangen war. Knusprig gebratenes Brot, ein selbstgemachter, Zaziki-ähnlicher Dip, fritierter Feta-Käse, frische Kartoffelschnitzen, bunter Salat, gebratener Seebarsch, gemischten Obstteller… um nur einige unserer Gänge zu nennen.

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Das ganze kostet summa summarum insgesamt umgerechnet 20 Euronen inklusive eines halben Liter Weins und quasi einer Wasserflaschen-Flatrate. Dannach knipsten wir noch für die nötige Verkehrssicherheit die Handytaschenlampen an und rollten zurück ins Hotel, wo wir im klimatisierten Zimmer in einen tiefen Schlaf versanken.

Ich verbleibe mit heißen Sohlen, aber ergebnisglücklichen Grüßen!

PS: Wir haben sogar einen DELPHIN gesehen!!!

Unbekannte Schöne – wir eilen zu dir!

Liebe Heimat,

nachdem wir uns überpünktlich am Flughafen eingefunden hatten, beschränkte sich mit Online-Check-In und lediglich einem „Reisesackerl“ als Gepäck das Vorflug-Prozedere auf den Sicherheitscheck (den wir trotz gefühlt tausend Mini-Sonnencremen und noch einmal soviel Apres-Sun-Lotionen, schließlich ist weithin bekannt welche Abzocke-Preispolitik für Sonnenschutz in südlichen Ländern herrscht, mit Bravur bestanden) und das Warten am Gate (was wir mit dem literweisen Konsum von Lufthansa-Gratis-Heißgetränken überbrücken). Ausgestattet mit zahlreichen Exemplaren der ebenfalls frei zur Verfügung stehenden Ausgaben verschiedenster deutscher und internationalen Tagesprint-Medien – schließlich stand uns ja eine lange Nacht bevor – ging es dann in den Flieger für unsere erste Etappe nach Wien.

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Mag sein, dass es daran lag, dass uns ein kleines Becherchen Weißwein und die allgemeine Reiseeuphorie – wären wir eine große Gruppe gewesen, wir wären unerträglich gewesen – ins Sphären geschossen hatten, wo einfach alles oder jeder lustig ist, dennoch sind wir immer noch der Meinung, dass jener Satz, den unser Pilot bei der Ankunft gesagt hat, der wohl lustigste Satz war den je ein Pilot gesagt hat.

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Ich zitiere:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
wir bitten Sie noch um etwas Geduld. Wir sind anscheinend so schnell von München nach Wien geflogen, dass der Flughafen dermaßen überrascht war und es noch nicht geschafft hat eine Treppe zum Ausstieg zur Verfügung zu stellen.“

Nach etwas Wartezeit in der Family-Fun-Zone und einem erbitterten Kampf mit einem garstigen Automaten, der partout unseren 5-Euro-Schein nicht nehmen wollte (auch gewaltsamen Zurückdrücken und Zuhalten den Rückgabe-Spaltes brachten nicht das gewünschte Ergebnis) ging es weiter. Da die Strecke mehr Start und Landung als tatsächlicher Flug war, mussten wir unserer „Cola-küsst-Orange“Getränke-Kombo ununterbrochen im Faustgriff halten, wenn wir nicht wollten, dass sie sich todesmutig über die Kerbung des Klapptischen stürzten.

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Und dann war es soweit – bei angenehm lauen Temperaturen empfing uns das mitternächtliche Tirana. Vorbei am streng drein blickenden Zollbeamten, der sich doch noch als wahrer Familienfreund entpuppte – wenn auch gut getarnt – begrüßte uns hinter der Kontrolle gleich der Raiffeisen-Bankautomat mit seiner süßen Verheißung von Liquidität. Nach kurzen Situationsstudien wagten wir uns schließlich auch an das Gerät und waren ehrlicherweise auch hocherfreut über die deutsche Sprachoption auf dem Startbildschirm – nur nicht überstürzen. Von den sehr großen Zahlen mit den vielen Nullen, die wir spontan nicht durch 140 teilen konnten, dann doch etwas irritiert und leicht überfordert, entlud sich der auf uns lastende Druck dann in einem hysterischen Tippen auf die Bestätigungstaste, als uns der Automat (begleitet von einem immens schrillen und lautem Piep-Ton fragte, ob wir noch mehr Zeit benötigen würden. Das sich zwischenzeitlich auch noch eine Schlange der besagten streng drein blickenden Zollbeamten hinter uns gebildet hatte, wählen wir einfach aufs gerade Wohl eine Summe aus, die uns annehmbar erschien, um dann im Nachhinein festzustellen, dass wir lediglich 35 Euro abgehoben hatten. Also alles noch einmal von vorne… diese Mal allerdings besser vorbereitet und so gelang es uns ohne weitere Zwischenfälle eine gesamt Summe von umgerechnet 105 Euro zu ergattern. (140 Lek = 1 Euro)

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Die Futtersuche hatten wir vorausschauend in Wien abgewickelt, weshalb es nun nur noch galt einen passenden Schlafplatz zu finden. Dieser war mit einer Sitzecke, wo sich bereits andere Durchreisende niedergelassen hatten alsbald auserkoren. Eingekuschelt in unsere mitgebrachten Schlafsack-Inlays und mt dem gesamten Hab & Gut unter dem Kopf schlief es sich sehr gut. Wir ließen uns auch durch das hektische Treiben an den Check-In-Schalter zu frühen Morgenstunden nicht stören und teilten unser Bettchen am Fußende dann und wann auch gerne mit einem Sitzplatz-Suchenden.

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Von der Sonne wach geküsst, genehmigten wir uns ganz im Lamalo-Stil zwei Espresso am Morgen und checkten die allgemeine Buslage aus.

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Zwar wurden wir gleich fündig, allerdings handelt es sich um den Transferbus für das Flughafen-Personal. Doch wir schnell feststellen durften , ist in Albanien alles „no problem“ und so fanden wir uns grinsend wie ein Honigkuchen-Pferd (wie auch immer das grinst) eine Stunde früher als regulär geplant auf dem Weg gen Zentrum!

Ich verbleibe mit gespannten Grüßen!