Traum von Am-ster-dam…

Liebe Heimat,

eigentliche sollte es nur in das norwegische Trondheim gehen, doch spontan beim Buchungsvorgang von der Möglichkeiten inspiriert den Zwischenstopp in Amsterdam auf lohnenswerte zehn Stunden auszuweiten, trug es sich zu, dass wir bei Nächten das sichere und staatenfreie Areal des Flughafens verließen, um uns auf einen kuriosen Ritt durch die Fahrradhauptstadt Europas zu machen.

Für mich war Amsterdam immer der Inbegriff von Entspanntheit – quasi der Ruhepol des gesamten Kontinents. In meiner verträumten Vorstellung liegen alle relaxt im Gras an den Wasser-Kanälen, die vielen Brücken und die historischen Gebäude zieren das Stadtbild, der leicht süßliche Geruch von Marihuana in den Straßen verbreitet eine allgemeine „Chillness“. Alles ist gediegen und ruhig! Ab und zu durchbricht die Fahrradklingel einer typisch aussenden, hübschen Holländerin im blumengemusterten Sommerkleid mit Strohkorb am Lenker das Vogelgezwitscher und aus der Ferne dringen rhythmische Bongo-oder Gitarrenklänge an das Ohr… was sich aber in diesen wenigen Stunden tatsächlich in Amsterdam zugetragen hat, hatte nichts, aber rein gar nichts damit zu tun. Vorab noch der Hinweis: Aufgrund der ungünstigen Wetter – und Straßenverhältnisse hielten sich das fotografische Schaffen in Grenzen, weshalb ich mich im Folgenden um eine besonders malerische Sprache bemühe!

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Für wenig Geld und in kurzer Zeit brachte uns der Shuttlebus zum gewünschten Ausgangsort – dem Leidseplein. Ich vermute das heißt übersetzt: „Der Platzt der abertausenden Leuchtreklamen und schrill aufblinkenden Lichtern in sämtlichen Farben, die zur allgemeinen Stimmungserhellung beitragen und zu wildem Austrucktanz auf offener Straße animieren sollen, welche im ideal Fall noch von sehr lauter Musik aus verschiedensten Lokalen, Cafés und Bars der Umgebung begleitet werden.“ Denn genauso war das dort. Man stelle sich nun meinen Kulturschock vor. Grundsätzlich solchem Treiben nicht abgeneigt, hatte ich dennoch nach der gefühlt hundertsten Leoparden-Leggins, die mit hysterischen Gezucke auf- und abhüpfte und dazu ihren Buddy shakte, Lust auf einen Tapetenwechsel. Immer der Nase nach ging es in die Gässchen der Stadt. (Inzwischen wunderte mich die Windraddichte in Niederlande überhaupt nicht mehr – irgendwo muss der Storm für den bunten Lichterspaß ja herkommen.) Trotz der Versuchung hatten wir uns im Vorfeld ganz brav vorgenommen keinen der berühmten Coffee-Shops zu besuchen, geschweige denn ein dort zum Verkauf stehendes Produkt zu konsumieren – hierfür steht uns noch ein Wiederkommen mit mehr Zeit und weniger Flug im Nacken bevor. Stattdessen begnügten wir uns mit vorzüglichen Pommes frites aus einem der zu Hauf vorhandenen Imbisse.

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Frisch gestärkt sollte es weitergehen in jene Straße mit den großen Fensterscheiben und den schweren Vorhängen – doch der Weg dorthin war nicht zu unterschätzen! Inzwischen hatte es begonnen zu regen, was uns zwang die Kapuzen aufzuziehen, aber die schier unzähligen Radfahrer nicht daran hinderte weiterhin in einem mörderischen Tempo und ohne Licht (oder ähnlichen Vorkehrungen für ein besseres oder vielmehr frühzeitiges Erkennen) durch die Straßen zu rasen. Selbst Autos mussten ihnen weichen, denn der König auf Hollands Straßen ist ganz klar der Zweiräder. Auch nicht zu verachten war der nicht gerade sehr auffällige gekennzeichnete Fahrbereich der Straßenbahnen. Und so sprangen wir – gehandicapt durch die Scheuklappen-Kapuzen und getrieben von dem abwechselnden Klingeln der Radler und den lauten Schellen der Bahn – wie zur Jagd freigegeben Karnickel auf dem vermeintlichen Gehsteig hin- und her. Nach diesem Spießroutenlauf kam mir die Allee der „Käuflichen Liebe“ fast schon wie eine Oase der Ruhe vor. Alles war im einheitlichen Rot beleuchtet und durch die vielen Anreize am Bordstein war die Schrittgeschwindigkeit der Passanten auf ein Minimum gedrosselt. Schnell gesättigt an dem für Frauen meist immer noch befremdlichen Gedanken des Körpergeschäfts zogen wir alsbald wieder von Dannen, um über Umwege wieder zurück an die Party-Hotspots zu gelangen. Denn die Nacht war noch jung und der Flieger lange noch nicht bereit für’s Boarding.

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Geschickt mit zwei Einheimischen über die Kontaktbörse Nummer eins – dem Feuerzeug – ins Gespräch gekommen, wurde der Empfehlung nach einem kurzen Marktcheck folgegeleistet und der Club mit dem bestechenden Namen „Smokey“ aufgesucht. Entsprechend kurz war die Sichtweite im Inneren, doch aufgrund der überschaubaren Größe konnten wir auch unter den widrigen Umständen den bunten Strauß an Entertainment-Programm genießen. Dabei handelte es sich allerdings nicht um engagierte Profis, sondern getrieben vom Drang der Selbstdarstellung und / oder dem eigenen Macker warfen einige Gäste all ihr Können in die Waagschale und erkämpften sich die gaffenden Blicke der Masse. So etwa geschehen beim durchaus nennenswerten Dance-Battle zwischen einem talentierten, jungen Tänzer und einer jungen, talentierten Tänzerinnen, welches damit endete, dass sie sich das Oberteil zerriss und der „neutrale“ Schiri aka DJ hingegen der klaren Publikumsstimmung für den adretten Mann besagte „Queen of topless“ zur Siegerin kürte. Eine weitaus noch unüberzeugendere Tanz-Performance lieferte hingegen ein klapperdürres Ding mit massigem Überhang an der Tabel-Dance-Stange. Hochgehievt vom Begleiter ihres Vertrauens zog sie unsicher ihre Kreise. Doch spätestens mit dem immer weiter nach oben rutschenden Gürtel-Rock und den vom Tanga symmetrischen getrennten, hervor blitzenden Pobacken sowie das gleiche Schauspiel spiegelbildich auf der Vorderseite, war ihr der Applaus sicher! Proportional zum Gejohle der vermeintlichen Kontrahenten schwollen wohl auch die Cojones ihres „Alten“ an und das schmierig-stolze Grinsen war nicht mehr aus seinem Gesicht wegzuwischen. Da ergötzten wir uns schon lieber an dem relativ wahrscheinlich unter Drogeneinfluss stehenden etwa 1,60 Meter groß gewachsenen, leicht untersetzten Mann, der sich minutenlang auf dem Boden wälzte, um dann mit zwei Salzstangen in den Mundwinkeln als waschechtes Walross wieder aufzutauchen. Als dann noch zum Grande Finale die Moet-3-Liter-Flasche unter dem Einsatz von Indoor-Pyrotechnik die Treppe heruntergetragen wurde, war für uns der Zeitpunkt gekommen zu gehen! Für alle Interessierten: www.clubsmokey.nl

Ohnehin bereits in den frühen Morgenstunden angekommen, suchten wir die entsprechende Bushaltestelle in Richtung Norwegen auf und ergatterten nach einer kurzen Fahrt für ebenso wenig Geld wie bei der Hinreise am Flughafen zwei der wunderbar bequemen Panoramaliegen vor einem riesigen Panoramafenster zum Beobachten des Sonnenaufgangs.

Ich verbleibe mit vollkommen überforderten Grüßen

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